Brief aus der Hölle meiner Tiefschlafphase

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Letzte Woche habe ich gesagt, die geladene Beretta an der Schläfe …

| Brief aus der Hölle meiner Tiefschlafphase

Letzte Woche habe ich gesagt
die geladene Beretta an der Schläfe
in der die Erinnerung pocht, und ich
ersaufend in Rachmaninow, die Worte nicht findend
wenn es falsch ist, dich zu lieben
will ich als Eremit auf der dunklen Seite des Monds
wohnen

Da ich aber weder tausend Milliarden
Gigabytes besitze wie Bill Gates
noch John Travoltas schelmisches Lächeln
wünschte ich, bis zum Hals in einem Termitenhügel
steckend
ich wäre der Baumeister aller Fantasien
der gegenwärtigen und zukünftigen

Während ich von den Zehen her aufgefressen werde
und den Schmerz des Vermissens schweißnass
inhaliere
stellt sich mir wie jede Freitagnacht de Frage
ob ich mein Herz nicht gegen Plastik und Metall
austausche
denn immer, sobald du mir im Traum erscheinst
sterbe ich fünfhundert langsame Tode
und will doch bloß in Ruhe
mein kleines Leben zu Ende leben

(c) H.H.

Bild von: Cdd20 auf pixabay

Henning Hirsch

Betriebswirt und Politologe, Comicleser, Filmjunkie, Bukowski- und FC- (es gibt nur einen FC: nämlich den aus Köln) Fan, trockener Alkoholiker. In die Abstinenz startete er mit einem Roman: Saufdruck. Seitdem tippt er abends Kurzgeschichten und Gedichte. Da die Schreiberei alleine nicht satt macht, verdient er tagsüber seine Kaltmiete und die Kühlschrankfüllung mit Marketing & Orga. Henning Hirsch lebt im Bonner Süden und ist Vater von drei Kindern.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Ingrid Dorner

    Es zerreißt einem das Herz beim Lesen dieses Gedichtes. Hoch sensibles Wesen mit Hang zur Theatralik ermöglicht dieses dichterisches Werk.

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